„Blätter faszinieren mich mehr als Blüten.“

Gabriele Cantaluppi teilt seine Dachwohnung mit knapp 50 Zimmerpflanzen aus der ganzen Welt, noch mehr Pflanzen-Büchern und einem Aquarium. Wir haben ihn in seiner grünen Oase in Bozen besucht.

März 2021, Lesedauer: 4 Minuten, teile diese Geschichte
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Sein jüngster Zuwachs ist eine Ananas-Pflanze mit panaschierten Blättern, der er nicht widerstehen konnte. So wie den vielen anderen Raritäten auf Ausstellungen in England, Ecuador, Deutschland, Japan oder Italien. „Meine Pflanzen aus der ganzen Welt erinnern mich an besondere Momente oder an besondere Menschen. Manchmal frage ich mich, wie sie wohl untereinander kommunizieren“, schmunzelt Gabriele. Nahezu alle seine Kindheitserinnerungen haben mit Pflanzen zu tun.  Seine Großmutter wies ihn bei unzähligen Waldspaziergängen in seiner Heimat Como auf die unermessliche Vielfalt hin. Eine Begeisterung, die ihn prägt und den mittlerweile 28-Jährigen nicht mehr loslässt.

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„Orchideen waren meine erste große Liebe.“

Ab etwa 13 Jahren recherchierte er penibel, bis er jedes kleinste Detail über die faszinierenden Pflanzen wusste; so schmückten zeitweise rund 300 Orchideen unterschiedlicher Arten, Formen und Farben die Wohnung seiner Eltern. Es kam, was kommen musste: sie stellten ihn vor die Wahl: „Entweder du oder die Blumen“, erzählt er lachend. Auf seine Orchideen wollte der Sammler unter keinen Umständen verzichten - so mietete er ein Grundstück, baute ein Glashaus, installierte eine Heizung und eine Nebelmaschine und erweiterte seine Sammlung auf fast 800 verschiedene Arten. „Ich wollte sie alle besitzen, so wie in einem Panini-Album.“

„Ich wollte sie alle
besitzen, so wie in
einem Panini-Album.“

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„Immer wenn sich ein neues Blatt entfaltet, bin ich Zeuge eines Wunders.“

Mittlerweile geht es Gabriele nicht mehr um einzelne Exemplare, sondern um die Einheit zwischen Wohnung, Einrichtung und Pflanzen. Farbige, gemusterte Blätter, skurrile Formen, Sukkulenten und Kletterpflanzen sind die eigentlichen Stars in der hellen Dachwohnung. „Ich bin mit und an meinen Pflanzen gewachsen. Es ist immer wieder beeindruckend, wie wenig ich ihnen gebe und wieviel Freude sie mir schenken.“

Kehrt Gabriele von längeren Reisen zurück, staunt er immer wieder. „Wie groß ihr geworden seid!“, hört man ihn dann begeistert rufen, wenn sich wiederum wunderschön gespaltene Blätter der Mini-Monstera (Rhaphidophora Tetrasperma), einer sehr schnell wachsenden Kletterpflanze, entwickelt haben. Unverzüglich teilt er die Fotos mit seinen Freunden. „Die halten mich für völlig verrückt“, lacht Gabriele aus ganzem Herzen.

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Freude schenken

Von ihnen hat Gabriele den „Zimmerhafer“ geschenkt bekommen, eine Bromelien-Art, die auch als „Freundschaftspflanze“ bekannt und die durch ihre Hochblätter ein wichtiger Akzent in der Wohnung ist. Die tropische Pflanze mit den unscheinbaren, rosafarbenen Blüten ist leicht teilbar und somit zum Weiterschenken geeignet. So wird nicht nur die Pflanze, sondern insbesondere die Freude vermehrt.

„ Ich bin mit und an meinen
Pflanzen gewachsen. Es ist
immer wieder beeindruckend,
wie wenig ich ihnen gebe
und wieviel Freude sie mir
schenken.“

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Südtiroler Gärtnertipp

für Zimmerpflanzen

Gesund leben mit Zimmerpflanzen

Sie produzieren Sauerstoff, filtern Schadstoffe, erhöhen die Luftfeuchtigkeit und sorgen für ein angenehmes Raumklima. Am besten eignen sich Pflanzen mit viel Blattmasse wie Philodendron, Monstera, Ficus, Zimmerpalmen, Grünlilien und Einblatt.
Zimmerpflanzen schenken Freude und sind Nahrung für die Seele.

Gießen und düngen

Weniger und öfter gießen ist von Vorteil. Mit ganz wenigen Ausnahmen wie z.B. Zypergras soll im Untersatz nie Wasser stehen bleiben.
Kakteen nur einmal im Monat gießen.
Grünpflanzen lieben abgeduscht zu werden, nahezu Pflicht ist es bei Orchideen (Phalaenopsis), Bromelien (Billbergia) und Farnen (Hirschgeweihfarn).
Nach dreimal gießen, einmal düngen - allerdings nur in der Wachstums- bzw. Blütezeit (normalerweise von Frühjahr bis Herbst; bei einigen Zimmerpflanzen auch im Winter).

Idealer Standort

Zimmerpflanzen mögen lichtdurchflutete helle Räume; direkte Sonne nur für kurze Zeit, da sie meist aus dem tropischen Unterholz stammen. Fensterbänke auf der Südseite (hinter Glas) erweisen sich meist als ungeeignet. Ausnahmen sind Kakteen und andere Sukkulenten.
Nicht geeignet sind auch Standorte wie etwa neben Heizkörpern, in Zugluft, auf Stein- bzw. Fliesenböden (evtl. mit Isolierung in Holz oder Styropor vorbeugen).

Umtopfen

Wird der Topf zu klein, muss umgetopft werden. Für einen guten Wuchs und eine schöne Blüte empfiehlt sich ein hochwertiges Substrat.

Pflanzenschutz

Die „Rote Spinne“ tritt vor allem bei trockener Raumluft auf; mit regelmäßigem Abduschen der Pflanzen kann man ihr Einhalt gebieten.
Woll- und Schildläuse kann man durch akkurates Abwischen der Blätter und Blattachseln etwas einbremsen.
Bei Bedarf Expertenrat beim Gärtner des Vertrauens einholen.